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Eckdaten der Geschichte Chinas – vom Kaiserreich über die Kulturrevolution bis zum Kapitalismus

Die jahrtausendealte Geschichte Chinas ist geprägt von Zeiten relativer Stabilität und von heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Kaiserdynastien. Das 20. Jahrhundert führte nach vielen Jahren des Bürgerkriegs zum Aufstieg und Machtmonopol der kommunistischen Partei.

221 v. Chr.: Reichseinigung
In mehreren Feldzügen unterwarf der Qin-König Zhao Zheng (die Qin waren ein Reitervolk aus dem Nordwesten Chinas) die anderen Reiche und führte dadurch 221 v. Chr. die Reichseinigung herbei. Er ließ sich als erster Kaiser krönen und nannte sich Qin Shihuangdi („Erster Gott-kaiser von Qin“). Er starb 210 v. Chr. und wurde in einer großen Anlage beigesetzt; die berühmte Terrakottaarmee ist eine seiner Grabbeigaben. In den folgenden Jahrhunderten lösten sich verschiedene Dynastien ab.

1279–1368: Mongolenherrschaft
Das Reitervolk der Mongolen wurde die führende Kraft im „Reich der Mitte“. Marco Polo traf 1275 angeblich -Kublai Khan, den großen Herrscher der Mongolen und Enkel Dschingis Khans. 1368 übernahm die Ming--Dynastie die Herrschaft, die Mongolen wurden vertrieben. China -blühte auf.

1644: Letzte Dynastie
Knapp 300 Jahre später rief General Wu Sangui, der die Chinesische Mauer nordöstlich von Peking bewachen sollte, die Mandschu zu Hilfe und öffnete die Stadttore. Die Mandschu gründeten nach dem Sturz der Ming 1644 die letzte chinesische Dynastie (Qing). Durch eine enorme Bevölkerungsexplosion, bei gleichzeitiger Stagnation der Wirtschaft und des politischen Systems, erlebte China im 19. Jahrhundert massive soziale Spannungen, gepaart mit einer zunehmenden Abhängigkeit von den europäischen Großmächten. Der Versuch, sich gegen deren Freihandelspolitik abzuschotten, schlug fehl.

Der Opiumkrieg
Großbritannien setzte im Opiumkrieg 1840–1842 das Recht durch, mit Opium handeln zu dürfen. China musste weitere „Konzessionen“ an ausländische Mächte abgeben und im Vertrag von Nanking 1842 sogar Hongkong an Großbritannien abtreten. Weitere Aufstände brachten die Qing-Dynastie arg in Bedrängnis und konnten nur mit ausländischer militärischer Hilfe niedergeschlagen werden. China wurde quasi zur Kolonie.

1900: Ein Land in Scherben
Weitere Demütigungen folgten: 1895 die Kriegsniederlage gegen Japan, 1900 der außer Kontrolle geratene und von den ausländischen Mächten niedergeschlagene Boxeraufstand (ausgehend von einer chinesischen Geheimgesell-schaft gegen den europäischen, nordamerikanischen und japanischen Imperialismus im Land) und das darauf folgende Boxerprotokoll, in dem dem Kaiserhof harte Friedensbedingungen diktiert wurden.

1911: Ende des Kaiserreichs
Aufstände und die Bildung einer Regierung in Nanking (1. Präsident Sun Yatsen) führten 1911 zur Abdankung der Qing und ihres dreijährigen Kaisers Pu Yi. Sun Yatsen rief am 1. Januar 1912 die Republik China aus. Bis 1927 folgte ein Bürgerkrieg zwischen regionalen Militärmachthabern. Die innenpolitischen Kräfte polarisierten sich in der Auseinandersetzung zwischen der Kommunistischen Partei unter Mao Zedong und den von Chiang Kaishek geführten Nationalisten (Kuomintang).

1934–35: Maos „Langer Marsch“
Andauernde Angriffe Chiang Kaisheks gegen die kommunistischen Stützpunkte im Südosten Chinas zwangen die KP-Führung zum Handeln. 80.000 KP-Kämpfer verließen ihre Stützpunkte und marschierten über 10.000 Kilometer quer durchs Land bis nach Yanan im Norden. Nur knapp 20.000 überlebten.
Bereits 1931 war Japan in die Mandschurei einmarschiert und hatte dort den Marionettenstaat Mandschukuo mit Pu Yi als Kaiser errichtet. Später im Zweiten Weltkrieg wurde auch das chinesische Kernland überfallen. Der gemeinsame Kampf gegen die japanischen Imperialisten führte kurzfristig zu einem Schulterschluss zwischen Natio-nalisten und Kommunisten, doch nach Ende des Zweiten Weltkriegs brachen die alten Feindseligkeiten wieder auf.

1949: Ausrufung der Volksrepublik
1949 besiegten die Truppen Mao Zedongs endgültig die Kuomintang. Die Nationalisten flohen auf das erst kürzlich von Japan zurückgewonnene Taiwan, wo die Republik bis heute fortbesteht. Auf dem Festland rief Mao am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China aus. Die neue Regierung übernahm schnell die Kontrolle über das jahrzehntelang von Kriegen heimgesuchte Land und formte einen Staat nach dem ideologischen Vorbild des Leninismus.

1950–1953: Koreakrieg
Im Koreakrieg kämpfte China auf Seiten der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) gegen die Republik Korea (Südkorea) und die UNO-Truppen (den Hauptanteil trugen die USA). Nach drei Jahren endete der Krieg mit einem Patt, führte wieder zu den Ausgangspositionen zurück, zementierte aber die Teilung Koreas. Zurück blieben knapp eine Million gefallene Soldaten, drei Millionen tote Zivilisten und ein zerstörtes Land.

1958: „Großer Sprung nach vorn“ und Hungerkatastrophe
Im Versuch, schnell die Industrie- und Landwirtschaftsproduktion zu verbessern, wurde von Mao Zedong 1958 ein neues Wirtschaftsprogramm, der sogenannte „Große Sprung nach vorn“, verkündet. Das Chaos der Umstruktu-rierung und Kollektivierungspolitik endete in einer Hungersnot, der laut Schätzungen bis zu 20 Millionen Menschen zum Opfer fielen.
1950 marschierte die Rote Armee in Tibet ein, wo ein Großteil der Klöster und historischen Stätten geschlos-sen bzw. blind zerstört wurde. Als sich die Ausein-an-der-setzungen weiter verschärften, musste der Dalai Lama 1959 flüchten und konnte bis heute nicht wieder -zurückkehren.

1966: Kulturrevolution
Als Mao nach dem wirtschaftlichen Fehlschlag in die Defensive geriet und sich die Macht- und Richtungskämpfe verschärften, rief er 1966 die Kulturrevolution (auch „Große Proletarische Kulturrevolution“ genannt) aus, in der er u. a. mit Hilfe der „Roten Garden“ gegen seine Gegner im Partei- und Staatsapparat vorging. Die Folge: eine blutige Terror- und Säuberungswelle mit ca. zwei Millio-nen Toten. Schulen und Universitäten blieben geschlossen, Lehrer, Beamte, Fabrikkader und Funktionäre wurden aus ihren Stellungen vertrieben und zur Landarbeit geschickt. Jeder Unterschied zwischen Kopf- und Handarbeit sollte verschwinden. Wer sich widersetzte, fand sich in einem der vielen Arbeitslager wieder. Der Kult um Mao erfuhr seinen Höhepunkt. Die Außenpolitik jener Zeit war von Isolation, besonders vom Chinesisch-Sowjetischen Zerwürfnis, gekennzeichnet. Die USA entdeckten im isolierten China einen potenziellen Verbündeten gegen Moskau. Höhepunkt: 1972 besuchte US-Präsident Richard Nixon die Volksrepublik und Mao.

1976: Tod Maos
Mao Zedong starb am 9. 9. 1976. Schon bald stieg der von ihm entmachtete Deng Xiaoping zum mächtigsten Politiker Chinas auf. Der 11. Parteitag der KP Chinas (1978) läutete die Wende in der Innen- und Außenpolitik ein. Die Öffnung Chinas zum Westen begann, die politischen Freiheiten wurden jedoch drastisch eingeschränkt. Es folgte ein enormes Wirtschaftswachstum.

1989: Tian’anmen-Massaker
Der Wandel der Konzepte und der wirtschaftliche Aufschwung sorgten aber auch für viele innerchinesische Diskussionen um den richtigen Weg. Die Demokratisierungsbewegung endete jedoch abrupt, als am 3. und 4. Juni 1989 demonstrierende Studenten von der Volksbefreiungsarmee gewaltsam und blutig vom Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen) in Peking vertrieben wurden. Im November 1993 verabschiedete das Zentralkomitee der KP ein „Reformprogramm zum Aufbau einer sozialistischen Marktwirtschaft“ (z. B. rahmenhafte Steuerung des Wirtschaftsprozesses statt direkter staatlicher Eingriffe, Entlohnung nach Leistung, Reform u. a. von Bankwesen, Finanzen und Steuern).
2003 wurde Hu Jintao Staatspräsident, die Trennung von Staat und Wirtschaft wurde verstärkt – und 2010 ist China nach den USA bereits die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Und: Der Wirtschaftsgigant liegt auch bei den Militärausgaben hinter den Amerikanern an zweiter Stelle.

(Zusammenstellung: Rudolf Mottinger)

 

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